Frauenrechtsbewegungen gab es schon immer – von den Suffragettes, die sich für das Frauenwahlrecht in England am Beginn des 20. Jahrhunderts einsetzten[1], bis zu den Feministinnen in den 1970ern, die für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung kämpften. Diese Frauen haben vieles erreicht. Im Jahr 1919 nahmen Frauen in Österreich zum ersten Mal aktiv an Wahlen teil[2], seit 1974 sind Abtreibungen in Österreich legal[3] und in den meisten Bundesländern in öffentlichen Krankenhäusern zugänglich und im darauffolgenden Jahr wurden Frauen und Männer in der Arbeitswelt – zumindest in der Theorie – gleichgestellt. Nun könnte man sagen, dass diese Bewegungen alles erreicht haben, was sie wollten und Frauen nun zufrieden sein sollten. Oft verwendete Argumente sind: „Es war viel schlimmer! In anderen Ländern sieht es ganz anders aus! Seid doch zufrieden!“

Nur, weil Frauen ohne männliche Erlaubnis arbeiten gehen können, heißt das nicht, dass sie in selber Höhe entlohnt werden. Nur weil Frauenquoten existieren, heißt das nicht, dass gleich viel Vertrauen in ihre Kompetenz gelegt wird. Nur weil Mutterschutz- und Karenzregelungen existieren, heißt das nicht, dass Frauen am Ende ihrer Karenzzeit ohne Probleme an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren können.

Obwohl Feminismus immer noch notwendig ist, um eine Gleichstellung in der Gesellschaft zu erreichen, ist es für Frauen verpönt sich als Feministinnen zu „outen“. Auf der anderen Seite wird Männern nahezu applaudiert, wenn sie sich als Feministen bezeichnen. FeministINNEN sind „extrem, übereifrig und sollten sich entspannen“. FeministEN sind „vorbildhaft“ und werden automatisch für ihre Aussagen und Taten respektiert.

Auch ich habe es erlebt, dass mir – durch mein feminineres Erscheinungsbild – weniger Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit zugeschrieben wurde. Gab ich Männern Auskünfte, fragten sie nach einem „richtigen“ Mann, der ihnen weiterhelfen konnte. Bekamen sie dann dieselben Antworten von ihnen, war diese Antwort nahezu Gottes Wort und meine anscheinend nichts wert.

In den Medien wird Feminismus teilweise fälschlicherweise so dargestellt, dass Frauen bessergestellt werden wollen als Männer beziehungsweise Männer als das schwächere Geschlecht brandmarken wollen. Meine Definition von Feminismus ist: Eine Bewegung, die eine Gleichstellung aller Geschlechts(identitäten) in der Gesellschaft in sämtlichen Lebensbereichen anstrebt. Nun würde ich diesen Artikel sehr gerne mit zuversichtlichen und positiven Worten beenden, jedoch könnte ich das nicht mit gutem Gewissen vertreten.

Feministische Bewegungen haben definitiv viel erreicht und wir würden ohne diese Frauen nicht dort sein, wo wir jetzt sind. Doch wir, als Gesellschaft, dürfen uns nicht mit dem heutigen Status Quo zufriedengeben. Diskriminierung und Alltagssexismus sind keine Ausnahmen, sondern sehr reale Situationen, mit denen wir uns auf keinen Fall zufriedengeben dürfen!


[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Suffragetten

[2] https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Frauenwahlrecht

[3] https://www.gesundheit.gv.at/leben/eltern/schwangerschaft/info/schwangerschaftsabbruch

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Toller Artikel! Was denkt ihr, könnten die Sexualaufklärungsunterrichte an Schulen dazu beitragen, dass die Gleichstellung aller Geschlechtsidentitäten für die heranwachsende Generation was ganz Selbstverständliches sein wird?

  2. Lieber Nikita!
    Vielen Dank für dein tolles Feedback!

    Meiner Meinung nach spielt Sexualkundeunterricht in Schulen eine sehr große Rolle im Bezug auf die Persönlichkeitsbildung der heranwachsenden Generation. Jedoch glaube ich, dass dies alleine nicht ausreichend ist. Repräsentation von verschiedenen Geschlechtsidentitäten in den Medien und das korrektes Verhalten der Gesellschaft zum jetzigen Zeitpunkt sind auch sehr wichtig, da dies große Faktoren in der Meinungsbildung der jüngeren Generationen sind.

    Liebe Grüße,
    Emil

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